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Liquiditätsfalle

In der Anleitung zur MoPos-Simulation schreibt der Autor:

Es kann vorkommen, dass ein Zusammenspiel von Geldpolitik und Schocks eine Deflation hervorruft, d. h. zu sinkenden Preisen führt. Diese negative Inflationsrate impliziert (falls sie erwartet wird), dass der reale Zinssatz (nomineller Zinssatz minus erwartete Inflationsrate) grösser ist als der nominelle. Dies ist deshalb problematisch, weil der nominelle Zinssatz nicht unter Null sinken kann. Die Anleger haben immer die Möglichkeit, der Belastung durch einen negativen nominellen Zinssatz auszuweichen, indem sie ihr Geld in Form von Banknoten halten.

Bei einer starken erwarteten Deflation können die Realzinsen damit sehr hoch werden und die Zentralbank hat keine Möglichkeit, durch Senkung der Nominalzinsen Druck auf die Realzinsen auszuüben. Zusätzliche Liquidität, welche die Zentralbank in die Wirtschaft pumpt, wird gehortet und vermag keinen Impuls zur Wiederankurbelung der Wirtschaft zu liefern. Die Wirtschaft steckt in der Liquiditätsfalle.

Es ist umstritten, ob das Phänomen der Liquiditätsfalle mehr ist als eine theoretische Möglichkeit mit geringer praktischer Bedeutung. Das Konzept wurde von verschiedenen Ökonomen zur Erklärung der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahren verwendet. Die Liquiditätsfalle geriet aber zunehmend in Misskredit, da sich kein vergleichbares Beispiel mehr fand. Krugman (1998, 1999) griff allerdings kürzlich auf diese Idee zurück, um die Wirtschaftsentwicklung in Japan in den 1990er Jahren zu erklären.

Das MoPoS-Modell hat aus verschiedenen Gründen viel eher die Tendenz, in die Liquiditätsfalle zu geraten als eine reale Volkswirtschaft. Die Liquiditätsfalle erfordert im Prinzip, dass die Renditen aller liquiden Anlagen Null sind (Brunner und Meltzer, 1968). Das Modell, das in MoPoS für die Simulationen verwendet wird, verfügt aber nur über einen Zinssatz. Es ist deshalb sehr viel wahrscheinlicher, im MoPoS-Modell in die Liquiditätsfalle zu geraten als in einem reichhaltigeren Modell mit einer Vielzahl von Finanzmärkten. Keynes (1936) schlug eine expansive Fiskalpolitik als Massnahme gegen die Liquiditätsfalle vor. Eine Erhöhung der Staatsausgaben, so das Argument, kann die aggregierte Nachfragestimulieren und damit einer «Re-Inflationierung» des Systems Vorschub leisten. Ein anderer Ausweg, der über eine Abwertung der Währung funktioniert, wurde kürzlich von Svensson (2000) vorgeschlagen. Beide Massnahmen stehen in unserem Modell – geschlossene Volkswirtschaft ohne Staatssektor– nicht zur Verfügung.

Das Simulationsmodell ist somit für die Abbildung einer realen Wirtschaft in einer Liquiditätsfalle ungeeignet. Sobald die Modellwirtschaft tief genug in der Liquiditätsfalle sitzt und kein Schock gross genug ist, sie daraus zu befreien, gibt es daher auch keinen Ausweg. Es bleibt Ihnen nur, die Simulation abzubrechen und ein neues Spiel zu beginnen.

 

MoPos: Ein Geldpolitik-Simulations-Spiel

MoPoS (kurz für: Monetary Policy Simulation Game) ist ein Computerspiel, mit dem sich die Benutzerinnen und Benutzer in die Situation einer fiktiven Zentralbank versetzen und die Geldpolitik einer einfachen virtuellen Volkswirtschaft simulieren können. Das Spiel wurde geschaffen, um die Benutzerinnen und Benutzer für die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Geldpolitik zu sensibilisieren. Zwischen dem Spiel MoPoS und der von der Schweizerischen Nationalbank geführten Geldpolitik besteht hingegen keinerlei Zusammenhang.

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