Rettungsaktion
Lehman Brothers wurde in der Hektik des zusammenbrechenden Finanzsystems fallen gelassen. Die weltweiten Auswirkungen schockten die verantwortlichen Politiker. Seither wird alles gerettet, was gross genug ist.
Der Chefökonom des Nomura Research Institute Richard C. Koo schreibt im Tagesanzeiger Ende 2009 dazu:
Im dritten Quartal ist die US-Wirtschaft um 2,2 Prozent
gewachsen. Kann es nicht sein, dass wir es mit einer ganz normalen,
hauptsächlich vom Lagerzyklus getriebenen Rezession zu tun hatten?
Nein, es ist eine Bilanzrezession, die Ende 2007 begonnen hat. Mitten
in diesen Prozess platzte eine unglaubliche Dummheit: der Untergang von
Lehman Brothers. Ich werde nie verstehen, weshalb Fed-Chef Bernanke und
Schatzsekretär Paulson damals entschieden hatten, Lehman fallen zu
lassen. Das Land stand bereits in der Rezession, eine systemische
Bankenkrise war seit Monaten im Gang, und dann kam dieser Schock dazu.
Es war ein Fehler, Lehman zu opfern?
Eine kolossale Dummheit. Die Weltwirtschaft geriet in freien Fall. Das
war die Konsequenz des Lehman-Fehlers. Erst allmählich realisierten
Regierungen und Notenbanker den Ernst der Lage. Über die Folgemonate
wurden weltweit rund 9000 Milliarden Dollar in Form von
Kapitalinjektionen in Banken, Stimulusprogrammen und monetärer
Lockerung in die Schlacht geworfen. Mit diesem Gewaltaufwand wurde die
Weltwirtschaft aufgefangen. Nun stehen wir wieder dort, wo wir schon
vor dem Lehman-Debakel waren: Der US-Markt für Wohnimmobilien hat sich
dank Staatshilfen stabilisiert, die Preise für Geschäftsimmobilien
sinken weiter, Konsumenten tilgen Schulden.
Artikel im Tagesanzeiger.

