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Wie Banken Geld schaffen

Aus "Geld und Geldpolitik", Lehrerinformation 2000/1, eine Publikation der Schweizerischen Nationalbank.

Die Geld- und Kreditschöpfung des Bankensystems ist ein Prozess, der durch viele Faktoren beeinflusst wird. Der Grundmechanismus lässt sich indessen an einem einfachen Beispiel erklären.

Wir gehen zunächst von einer Welt ohne Geschäftsbanken aus, in der die von der Zentralbank ausgegebenen Noten das einzige Zahlungsmittel bilden. Die Geldmenge sei gleich der Summe der umlaufenden Noten und betrage 1000 Franken. Nun wird Bank A gegründet, worauf das Publikum sämtliche Noten bei dieser Bank deponiert und dafür einen Zinsertrag erhält. Die Geldmenge beträgt immer noch 1000 Franken. Sie besteht aber nicht mehr aus Banknoten, sondern aus Sichteinlagen bei Bank A.

Bank A ist sich bewusst, dass das Publikum seine Sichteinlagen jederzeit abziehen kann. Sie weiss aber auch, dass dies kaum alle Einleger gleichzeitig tun werden. Deshalb behält sie nur einen Teil der Noten als Reserve und gewährt mit dem Rest einen Kredit, für den sie einen Zins verlangen kann. Wir nehmen an, dass sie 20% oder 200 Franken als Reserve zurückbehält und den Rest, d. h. 800 Franken ausleiht. Damit hat Bank A die Geldmenge, d. h. die Zahlungsmittel in den Händen des Publikums, um 800 Franken auf 1800 Franken erhöht. Die 1800 Franken setzen sich aus 1000 Franken in Form von Sichteinlagen und 800 Franken in Form von Banknoten zusammen.

Der Geldschöpfungsprozess ist damit nicht zu Ende. Der Kreditnehmer bezahlt mit den 800 Franken Waren und Dienstleistungen, worauf der Verkäufer die erhaltenen Noten bei der inzwischen entstandenen Bank B deponiert. Bank B schreibt die 800 Franken dem Verkäufer als Sichteinlage gut, behält 20% als Reserve und leiht den Rest von 640 Franken aus. Sie schafft damit für 640 Franken neues Geld. Der Kreditnehmer der Bank B kauft damit Güter und Dienstleistungen. Die Noten werden bei Bank C einbezahlt, die wiederum 20% als Reserve behält und den Rest von 512 Franken ausleiht. Damit haben die drei Banken bereits für 1952 Franken neues Geld geschaffen und die ursprüngliche Geldmenge von 1000 Franken fast verdreifacht.

Der Geldschöpfungsprozess kann sich auf diese Weise noch einige Zeit fortsetzen. Die neu gewährten Kredite und die entsprechenden Depositen werden aber immer kleiner, da die Banken stets 20% als Reserve zurückbehalten. Das Ende des Prozesses ist erreicht, wenn die ursprüngliche Summe von 1000 Franken für Reserven aufgebraucht ist. Bei einem Reservesatz von 20% ist das dann der Fall, wenn alle Banken zusammen für insgesamt 4000 Franken Kredite gewährt haben und die gesamte Geldmenge damit 5000 Franken beträgt.

Das Geld- und Kreditschöpfungspotenzial des Bankensystems lässt sich in diesem vereinfachten Beispiel durch die Multiplikatorformel (1/RS)*1000 Franken ausdrücken, wobei RS für den Reservesatz steht (hier 0.2). Die Formel zeigt, dass die Banken um so mehr Kredite bzw. Depositen schaffen werden, je tiefer der Reservesatz ist. Das Modell abstrahiert zwar von verschiedenen Faktoren, die das Zusammenspiel zwischen Zentralbank, Geschäftsbanken und Publikum ebenfalls beeinflussen können. Es vermag aber anschaulich zu zeigen, wieso — erstens — die Geldmenge grösser ist als das von der Notenbank geschaffene Geld und — zweitens — das Geldschöpfungspotenzial der Banken begrenzt ist.

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